Des Buben Stock, der Frauen Schale

Neue Ausstellung in Diedorf – ab 01. Mai 2024:
Der Buben Stock, der Frauen Schale:
geheimnisvolle Objekte aus fremden Kulturen.

…. Und da dachten wir nach dem Ende des „Eisernen Vorhangs“, jetzt wo sich die beiden Extreme Konsumismus und diktatorischer Sozialismus einander angenähert hatten, es würde nie mehr Krieg in früherem Ausmaß geben….. „keine Red‘ davon“, wie einst Bertold Brecht im Lied der Seeräuber-Jenny schrieb. Geht ja nicht: Im Laufe der Sozialgeschichte der Menschheit gibt es ja immer 2 gewachsene Positionen. Gemäß der doch unterschiedlichen Lebensverankerung von Frau und Mann haben sich matriarchale Demokratie und patriarchales Führertum, Ackerbauern und Viehzüchter, Liebe zur Natur und nomadische Expansionswut entwickelt .

So ist es jetzt also wieder soweit wie damals zu Urzeiten die patriarchalen Herdenkulturen der Kurganvölker (die Ihre hochrangigen Führer in großen Erdpyramiden bestatteten) aus den Steppen Südrusslands sich über die Donau-, Theiss- und Dnjepr-Bauernkulturen rund ums Schwarze Meer hermachten und diese unterjochten. Jetzt sind es Putins narrativ aufgepeitschte Russen und die unter den Kaukasusvölkern besonders kriegsfreudigen Tschetschenen, die jetzt wieder über die Ukrainer hereinfielen. Das sollte uns nicht nur mit aller Kraft hinter die tapferen Verteidiger treten lassen, sondern vielleicht endlich auch versuchen lassen, die Hintergründe aller Kriege zu verstehen.

Nun ist ja klar, Kriege werden heutzutage um Bodenschätze und Handelszonen geführt und dienen nicht mehr nur zur Vergrößerung der nomadischen Herden oder dem handelbaren Tribut- und Diebesgut wie eben bei den Nomadenvölkern der Bronze- und frühen Eisenzeit. Das war freilich auch bei Putins Krieg gegen die Ukraine das Nahziel, über die Bodenschätze und ehemaligen Industriegebiete im Donezk und Luchansk und im Küstenstreifen um Mariupol zu verfügen und den Handel über das Schwarzmeer ganz unter Kontrolle zu bekommen. Ein Fernziel ist sicherlich dann auch den Zugang zu den Weltmeeren über das Baltikum zu erweitern und auf Gesamteuropa Einfluss zu bekommen.

Die über Jahrtausende in unseren Gesellschaften abgespeicherte Kriegsneigung und der ursprüngliche Hintergrund aller Kriege liegt aber in den Verhaltensweisen aller Nomadenvölker seit dem 5. Jahrtausend vor der Zeitrechnung. Während in den neu gegründeten Ackerbaukulturen in kleinen oder größeren Dorfgemeinschaften die Frauen im Matriarchat demokratisch nebeneinander lebten (Man fand an den dorfinternen Begräbnisstätten nur Frauen- und Kinderskelette und wenige männliche Greise) waren die Männer außerhalb der Dorfgemeinschaften auf Jagd oder beim Viehhüten. Dort bestimmte einer oder ganz wenige, wohin die Herden getrieben werden sollten oder wie die Jagdstrategie war. Ruhm bekam der Stärkste, Geschickteste oder Erfolgreichste.

Bei nur einem der vielen Beispielmöglichkeiten heute lebender Völker z.B. den viehzüchtenden Massai in Kenia und Tansania, die von allen wegen Ihres Mutes und Ihrer Männlichkeit verehrt werden, glaubt man, dass Gott alle Rinder der Erde ursprünglich nur den Massai zur Verfügung gestellt hat, Deshalb ist es rechtens, den anderen Stämmen diese Rinder zu stehlen. Nun geht es natürlich schneller, seinen Besitz an Vieh durch Diebstahl und nicht durch Nachzucht zu vermehren. Stolzer Besitz eines mit dem Vieh herumziehenden Mannes sind seine Tiere, ein Mantel oder eine Decke für die Kühle der Nacht, eine Kalebasse für die Milch und das Blut der Rinder, vielleicht ein Schild zur Verteidigung bei den Beutezügen, sicher aber ein Speer, gefährliche Aufwertung eines einfachen Hirtenstockes. Mehr wird er nicht mit sich herumtragen wollen. Der Stock, mit dem er das Vieh antreibt, macht erst den Knaben, der Speer aber, den er nach der Initiationsfeier tragen darf, macht erst den Mann.

Dem Mädchen gebe man eine Puppe, dem Knaben schenke man einen Stock oder ein Spielzeuggewehr. Das waren die Tipps für eine geschlechterspezifische Erziehung spätestens seit dem 19. Jhdt. Der feine Herr im Frack mit Zylinder begab sich nur mit dem aus edlen Materialien, Ebenholz, Elfenbein und Silber prächtig gestalteten Spazier- und Paradestock vor die Haustüre. Vielfältig sind die Funktionen und Formen der mit figürlichen Motiven beschnitzten Würdestäbe, Szepter und Wanderstöcke, die diese Ausstellung im Haus der Kulturen in Diedorf zeigt.

Demgegenüber überwiegt das schön Schlichte und Einfache der meist großen Schüsseln und Schalen aus Holz und Stein, die Beispiele für Vielfalt und Symbolgehalt dieser Gegenstände aus der ehedem matriarchalen Welt sein sollen. Als im Neolithikum, im fruchtbaren Halbmond, in Kleinasien und in den Donaukulturen die Menschen lernten, vom Jäger- und Sammlertum zur sesshaften Agrarkultur zu wechseln, waren es vornehmlich die Frauen, die die Felder bestellten. Da Ihnen vor Allem auch die Versorgung der Kinder zufiel, waren ihre Möglichkeiten bei der Jagd ein geschränkt. So schickte man vornehmlich die Männer aus, den Wanderherden als Jäger zu folgen oder mit den bereits an gezähmten Auerrindern von Weide zu Weide zu ziehen.

Zum Einsammeln und Lagern des geernteten Getreides wurden hochwandige Schalen und Gefäße benötigt, die auch vor Ungeziefer etwas Schutz boten. Während bei der Jagd nur der Schnellste und Geschickteste vor allen andern gewinnt, geschieht die Feldarbeit in gemeinsamer Reihe nebeneinander. Ist jemand langsamer , rücken die Nachbarn beim Jäten einfach etwas näher heran und verkleinern so für den Schwächeren den Arbeitsaufwand. Der Schnellere verbreitert einfach seine zu bearbeitende Furche.

Ebenfalls zu diesem Teil der Ausstellung zugehörig sind natürlich auch eine große Anzahl unterschiedlicher hölzerner und aus Horn gestalteter Löffel. Auf großen rauen Steinplatten und mit Steinmühlen wird seit alters das Korn gemahlen, freilich war auch diese Schweiß treibende Arbeit auch wieder auf die Schultern der Frauen gelegt. Das Zerstampfen der Hirse und anderer Getreidearten im Mörser konnte rhythmisch mit aufmunterndem Gesang aber wieder Schulter an Schulter erledigt werden.

Die mit Rücksicht auf das gemeinsame und jeden in die Mitte aufnehmende Feldarbeit mag auch dazu geführt haben, dass die Kommune der Frauen und Kinder im Dorf im Gegensatz zu der auf einen Anführer ausgerichtete Jagd- und Nomadengesellschaft der Männer grundsätzlich demokratisch geordnet war und ohne kriegerische Auseinandersetzungen auskam. Tatsächlich hat man in der spätneolithischen Cucuteni-Tripolje-Kultur in Nordost -Rumänien und in der Ukraine sogar das aus Ton gefertigte Modell einer Beratung „um den runden Tisch“ gefunden.

Wäre ein Matriarchat nicht auch gerade heute wieder, wo sich in aller Welt die männlichen Autokraten und Despoten immer breiter machen, der schlüssige Weg aus der langen Zeit der Kriege heraus? Frauen fürchten für das Wohl der Kinder, Männer vielleicht auch, aber im Gegensatz dazu ist ihnen seit Beginn der Bronzezeit und all der neuen Waffen vielleicht schon in den Genen eine erhöhte Aggressionsneigung angeboren. Ach, fast hätte ich es vergessen: Doch wohl eher ein Traum: Sind es nicht die Frauen, die sich schon über längere Zeit im Kampf mit allen Mitteln der Schönheit um die größten, stärksten und potentiell aggressivsten Männer gegenseitig ausbooten wollen? Fühlt frau sich und ihre zukünftige Familie in Schutz und Schatten des besten Machos nicht auch gleich am sichersten? Patriarchale Führerfiguren sind im Vormarsch, weil ja demokratische Systeme im Wirrwarr der nötigen Entscheidungen meist viel zu entscheidungsunfähig, träge und bürokratisch reagieren können.

Die neue Ausstellung ist mit Vernissage um 14.00 Uhr ab 1. Mai 2024 im Haus der Kulturen und Maskenmuseum Diedorf, Lindenstraße 1 zu besichtigen.

Zu anderen Terminen ist die Voranmeldung über Telefon: 08238/60245 oder Info@maskenmuseum.de erforderlich. Manchmal genügt für einen spontanen Besuch vielleicht auch nur mal 5 Minuten Wartezeit am Museum.

Kostenloser freier Besuch:

  • am 1. Mai von 11.00 bis 16.00 Uhr, dem Museumsfest
  • am 19. Mai, dem internationalen Museumstag, von 14.00 bis 16.00 Uhr
  • am 9. und 16. Juni von 14.00 bis 16.00 Uhr
  • oder in Verbindung mit einem Besuch des Maskenmuseums nach Vereinbarung.